21. Jan

Mit Start-Ups für mehr Nachhaltigkeit

Gründerwettbewerb PlanB zeichnet beste Geschäftsideen für die biobasierte Wirtschaft aus

Die 15-jährige Greta Thunberg aus Schweden streikt seit Monaten jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament, statt zur Schule zu gehen. Immer mehr Schüler auf der ganzen Welt folgen ihr. Sie fordern, dass die Welt sich ändern muss – Regierungen, Unternehmen und Bürger müssen gegen den Klimawandel und für mehr Nachhaltigkeit aktiv werden. Auf ihren Plakaten steht: ‚Es gibt keinen Planet B‘. Keinen Planeten, dafür aber einen Plan B haben die 50 Start-Ups aus ganz Deutschland, die beim Gründerwettbewerb „PlanB – Biobasiert.Business.Bayern.“ ihre Geschäftsidee für mehr Nachhaltigkeit eingereicht haben. Am Montagabend präsentierten die besten fünf Teilnehmer sich der Jury und 200 geladenen Gästen in der Sennebogen Akademie im Hafen Straubing-Sand.

„Bayern ist seit jeher ein Gründer- und Innovationsland“, betonte Roland Weigert, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, in seinem Grußwort. „Damit das auch so bleibt, brauchen wir Wettbewerbe wie PlanB. Straubing bündelt Kompetenzen für nachwachsende Rohstoffen und Nachhaltigkeit. Gründer mit Geschäftsideen in diesen Bereichen sind hier genau richtig. Bei PlanB können sie ihre Ideen weiterentwickeln und einem breiten Publikum präsentieren.“ Der Wettbewerb fand zum dritten Mal organisiert von der BioCampus Straubing GmbH statt. Zur Preisverleihung waren Vertreter aus Industrie, Finanz- und Venture Capital-Branche, Politik und Forschung gekommen, um die Geschäftsideen der diesjährigen Finalisten kennen zu lernen.

Geschäftsideen in drei Minuten
A+pro, Acticell, Freisicht, Regiothek und Seebeck250 – das waren die fünf jungen Unternehmen, die an dem Abend um die Preise des PlanB Gründerwettbewerbs kämpften. Mit ihren Produkten, Services und Verfahren tragen sie in verschiedensten Bereichen von der regenerativen Energie über grüne Chemie und Biotechnologie bis zu innovativen Werkstoffen und digitalen Lieferketten zu mehr Nachhaltigkeit bei. Bevor die Finalisten in Kurzvorträgen, sogenannten Pitches, ihre Geschäftsideen präsentierten, gab es Inspiration von einem, der es schon geschafft hat: Fabian Eckert, Geschäftsführer des Rosenheimer Start-Ups ReCup, einem Pfandsystem für Mehrweg-Kaffeebecher, gab Einblicke in das Leben eines erfolgreichen Gründers und was es bedeutet, mit seinem Unternehmen für mehr Nachhaltigkeit einzustehen.

In ihren Pitches hatten die Kandidaten jeweils drei Minuten Zeit, die PlanB-Jury von sich zu überzeugen. Die Jury hatte die Top 5 im Vorfeld unter allen Einreichungen ausgewählt. Stellvertretend für die 16 Jurorinnen und Juroren fühlten Dr. Mirja Wehner, Verband der Chemischen Industrie Bayern, Marco Winzer, Hightech Gründerfonds, Sepp Kellerer, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt und Andreas Löffert vom PlanB-Veranstalter BioCampus Straubing GmbH den Kandidaten danach noch mit Fragen auf den Zahn: wie weit ist die Entwicklung? Wird damit bereits Geld verdient? Oder liegen Patente vor?

Nach der Pause, in der sich die Jury zur Beratung zurückzog und das Publikum per Smartphone für seinen Favoriten abstimmen konnte, wurde es spannend. Die Auswertung der Publikumsabstimmung war eindeutig: Sebastian Wittmann überzeugte die knapp 200 Gäste mit der smarten Präsentation seiner Freisicht Massivholzbrillen und der Aussicht, seine Verformungstechnologie für Holz auch im Automobil-Interieurbereich einsetzen zu können. Überreicht wurde der Ehrenpreis von Sponsor Walter Roggenstein, Kelheim Fibres und Staatssekretär Roland Weigert. Der Sonderpreis für die beste Entwicklungsleistung von Phase 1 des Wettbewerbs bis zum Finale ging an Daniel Baumann aus Mamming, der mit seiner Idee „Der Hanfbayer“ die Nutzpflanze Hanf in Bayern wieder heimisch machen möchte.

Holzbrillen, umweltfreundliche Jeans und vegane Proteine
Platz 3, und damit 2.500 € Preisgeld, ging an Timo Broeker von a+pro aus Lemgo und seiner Technologie, vegane Proteine aus Agrarreststoffen wie Rapspresskuchen herzustellen und damit einen großen Beitrag zur Eiweißversorgung der Weltbevölkerung zu leisten. Dr. Mark Redshaw vom Sponsor Evonik gratulierte. 3.500 € und damit Platz 2 ging nach Österreich: Dr. Markus Rarbach vom Sponsor Clariant durfte Dr. Christian Schimper und seinem Acticell-Team gratulieren. Acticell hat ein toxische Chemikalien einsparendes Verfahren zur Färbung von Jeans entwickelt und damit die Jury überzeugt. Als Sieger des Abends sicherte sich Sebastian Wittmann von freisicht aus Freising mit seinen technologisch einzigartigen und anspruchsvoll designten Massivholzbrillen auch den ersten Platz der Jury: Armin Kienberger vom Hauptsponsor Bischof + Klein und Staatssekretär Weigert gratulierten zu 5.500 € Preisgeld und einer Starter-Einheit im BioCubator, dem Unternehmerzentrum für Nachwachsende Rohstoffe im Hafen Straubing. Alle Finalisten, auch Horst Erichsen von Seebeck250 aus Wismar und Simon Nestmeier von der Regiothek aus Passau, erhalten außerdem einen Imagefilm als Ehrenpreis, den sie für ihr Marketing nutzen können.
Der Gründerwettbewerb PlanB geht 2020 in die nächste Runde.
Unterstützt wird der Wettbewerb von einem Sponsoren- und Partnernetzwerk aus den Bereichen Gründerwesen und Finanzierung, Wirtschaft und Medien sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

Weitere Informationen zum Wettbewerb gibt es unter www.planb-wettbewerb.de.

Die fünf Finalisten mit Präsentationen beim Prämierungsevent am 21.1.2019:

Name Start-Up/ProduktName TeilnehmerHerkunftWeb
Acticell GmbH – „for greener textile solutions“Dr. Christian SchimperWien, Österreichwww.acticell.at
A+pro – vegane Proteine auf ReststoffbasisTimo BroekerLemgon/a
Freisicht sustainable eyewear GmbH – Massivholz-BrillenSebastian WittmannFreisingwww.freisicht-eyewear.com
Regiothek – Ehrliches Essen – digitale Plattform für transparente LieferkettenSimon Nestmeier, Alexander TremelPassauwww.regiothek.de
Seebeck250 – Mini-HolzheizkraftwerkHorst Erichsen, Stefan von FriehlingWismarwww.he-energy.de
Sonderpreis für beste Entwicklung im Wettbewerb: Der HanfbayerDaniel BaumannMamming

Pressebilder (zum Abdruck freigegeben unter Angabe „Bild: German Popp“):


So sehen Sieger aus: Dr. Christian Schimper von Acticell (Platz 2, 6. v.l.), Sebastian Wittmann von Freisicht (Platz 1, 7.v.l.) und Timo Broeker von a+pro (Platz 3, 8.v.l.) im Kreise der Ehrengäste, Sponsoren und Juroren des PlanB Wettbewerbs


Freute sich über den ersten Platz bei PlanB: Sebastian Wittmann (4.v.l.) vom Start-Up Freisicht aus Freising bei der Preisübergabe mit Staatssekretär Roland Weigert (2.v.l.) und Hauptsponsor Armin Kienberger, Bischof + Klein (1.v.l.) sowie Moderator Dominik Glöbl.

Hintergrundinformation:
Der Gründerwettbewerb „PlanB – Biobasiert.Business.Bayern.“ wird seit 2014 von der BioCampus Straubing GmbH organisiert. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie unterstützt den Wettbewerb seit 2016 mit einer Förderung, Staatsminister Hubert Aiwanger ist Schirmherr des Wettbewerbs.
Die aktuelle Wettbewerbsrunde startete im Mai 2018 und umfasste zwei Einreichphasen (Phase 1: Ideenskizze; Phase 2: PlanB Pitch Deck) sowie zwei Coaching-Wochenenden, individuelle Beratungsgespräche und Matching der Start-Ups mit für sie relevanten Forschungs- und Geschäftspartnern. In Phase 1 reichten 51 Gründer aus allen bayerischen Regierungsbezirken, neun weiteren Bundesländern, sowie aus Österreich und der Schweiz ihre Ideenskizzen ein. Die Ideen umfassten den kompletten Zielgruppenkreis des Wettbewerbs von Konzepten für regionale und faire Biolebensmittel über neue biobasierte Werkstoffe, den Einsatz von Holz, Biokunststoff-Applikationen und Verpackungslösungen, über IT-Konzepte für Blockchain und Kreislaufwirtschaft, bis hin zu Biotechnologie-Prozessen für Peptidsynthese und Bioenergie-Heizsysteme.
Die im Dezember für Phase 2 notwendige Ausarbeitung der Ideenskizze hin zu einem Pitch Deck, also einer Unternehmenspräsentation wurde von 26 Start-Ups erfüllt. Aus den 26 Einreichungen wählte die 20-köpfige PlanB Expertenjury auf Basis eines Punktesystems die fünf besten Einreichungen aus. Diese wurden zum Prämierungsevent am 21. Januar in Straubing eingeladen um dort ihre Ideen vorzustellen.
Die Wettbewerbsrunde 2018/19 wird durch ein starkes Sponsorennetzwerk unterstützt. Hauptsponsor ist der Verpackungsexperte Bischof + Klein. Ebenfalls dabei: Evonik, der High-Tech Gründerfonds, die Raiffeisenbank Straubing-Bogen und der Futtermittelhersteller DoFu. Der Spezialchemie-Konzern Clariant sowie der Spezialfaser-Hersteller Kelheim Fibres zeigen durch ihr erneutes Sponsoring ihre Verbundenheit zum Wettbewerb. Als Medienpartner sind das deutschlandweit führende Fachmedium der Chemie- und Pharmabranche CHEManager, das Gründermagazin StartingUp, das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt, sowie die Fachzeitung Ökona dabei.
Unter den Preisträgern der PlanB-Wettbewerbe 2014/2015 und 2016/2017 sind die Biotech-Start-ups CASCAT GmbH, LXP Group und 4Gene GmbH sowie das Marktforschungsinstitut GreenSurvey GmbH und die Bioenergie-Firmen Wagner Biogas GbR und KONAS. Weitere erfolgreiche Teilnehmer kamen aus den Bereichen Bioenergie, Design, Ingenieurwesen, industrielle Biotechnologie, Landwirtschaft, Gartenbau und Futtermittelindustrie.